Multichannel-Interview: „Wenn Stationär schneller ist“

18. Juli 2012 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: acquisa

Thomas Lipke, Geschäftsführer von Globetrotter Ausrüstung, Hamburg, skizziert im Interview, wie Multichannel-Händler ihr Stationär-As ausspielen.

Sie propagieren, dass das Ladengeschäft zum Show-Room der Site mutieren muss, während Hard-Core-E-Merchants noch auf Wachstum in einem Kanal setzen und auf Filialen offenbar bewusst verzichten. Was entgeht denen?

Thomas Lipke: Die These hart gesottener E-Merchants, Multichannel sei eine Bremse für den E-Commerce-Erfolg, teile ich nicht. Im Gegenteil: Erst Kanalkonvergenz, ich nenne das Multiwave, lässt Kunden in beliebiger Reihenfolge zwischen Mobile, Google-Suche und Shop hin- und herpendeln, bis es zum Kauf kommt. Logistik-Weltmeister wie der Online-Pure-Player Amazon können durch das Stationärgeschäft sogar ausgebremst werden, weil die beste Logistik nicht an die Bereitstellungsmöglichkeiten von Stationär-Shops heranreicht.

acquisa: Wie ziehen Stationärhändler alle logistischen Register?

Lipke: Mobile hält mit ortsbezogenen Diensten Chancen für das Stationärgeschäft bereit – mit Services und Auskünften, ob ein bestimmtes Produkt vorrätig ist. Genau das fordert jedenfalls der Kunde. Bequem anwendbare Suchfunktionen, die das gesamte Filialnetz abdecken, stellen jede Versandhandelslogistik in den Schatten. Conrad Elektronik bietet beispielsweise eine Art Kurierdienst von der Filiale zum Kunden an, sodass Bauteile binnen Stunden an ihren Bestimmungsort gelangen. Doch um diesen Service anbieten zu können, brauchen Sie ein flächendeckendes Filialnetz.

acquisa: Inwiefern zahlen digitale Dienste aufs Konto des Stationärgeschäfts ein?

Lipke: Multichannel-Händler haben im Retail-Geschäft einen Vorteil, weil sie jetzt schon den E-Commerce-nahen Stationärhandel 2.0 anbieten. Derweil haben viele klassischen Pure-Player noch nicht realisiert, dass sich die Welt des Handels verändert. Andere arbeiten schon unter Hochdruck an stationären Konzepten. Apple hat längst angefangen, einen „E-commercten“ Stationärhandel aufzubauen. Und Google arbeitet an einer zweigeteilten Suche, die einerseits die bekannte generische Suche im Web, andererseits die lokale Suche anbietet – also anzeigt, in welchen Geschäften die gesuchten Produkte verfügbar sind. Es wird zunehmend Feeds über verfügbare Produkte in der Filiale geben. Das ist ein enormer Hebel für das Stationärgeschäft.

 

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