Werbeartikel: Kugelschreiber sind geduldig

2. April 2008 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: acquisa

Werbeartikel sind von praktischem Nutzen, begleiten ihren Empfänger im Optimalfall dauerhaft – und erinnern per Logo an den Schenkenden. Doch müssen es die üblichen Evergreens wie Kalender sein? acquisa zeigt innovative Werbeartikel und neu interpretierte Klassiker.

»Kugelschreiber, Mouse-Pads oder Schlüsselanhänger locken heute keinen Menschen mehr hinter dem Ofen hervor.« – Wenn Patrick Politze solche Plattitüden hört, wird er richtig ärgerlich. Kulis sind laut dem Vorstandsvorsitzenden des Gesamtverbands der Werbeartikel-Wirtschaft (GWW) in Düsseldorf kein Ausdruck mangelnder Fantasie. »Der Klassiker Kugelschreiber zieht nach wie vor erstaunlich gut«, ergänzt Susanne Figaj, Projektmanagerin bei der Reed-Tochter PSI Promotional Product Service Institute in Düsseldorf.

Der Kreativität bei innovativen Schreibgeräten, die Stempelkissen bergen, durch hinreißende Haptik, Form, Farbe und abgefahrene Werbeanbringung bestechen, piepsen, blinken und sogar schreiben, ist offenbar keine Grenze gesetzt. Gebrandete schrille Shirts für beschlipste Bankkunden können sich laut Politze indes als kontraproduktiver Werbe-GAU erweisen.

Doch ausgefallene Trendartikel sowie Klassiker hätten beide ihre Berechtigung – je nach Zweck und Zielgruppe. Hauptsache die nachhaltige Botschaft stimmt. »Den besten Return-on-Investment zu erzielen, gelingt jedoch nicht durch einen Wettlauf um Aktualität, sondern immer nur durch ein konzeptionell richtig eingesetztes Werbeprodukt«, warnt Politze.

Edles für Anzugträger

Unter dem Motto »Edles für Anzugträger« kommt das Visitenkartenetui »Kniff« daher. Die innovative und praktische Lederhülle aus dem Hause Troika Domovari in Müschenbach eignet sich jedoch nicht als Low-Budget-Streuartikel (empfohlener Verkaufspreis:18,90 Euro, in Deutschland empfohlener Industriepreis: 8,90 Euro). Eine Logo-Prägung ist erst ab hohen Abnahmemengen möglich. Dennoch tut dies dem Spaß der Business-Zielgruppe keinen Abbruch: Das Etui öffnet sich wie ein Buch und lässt sich entlang eines diagonalen Falzes nach hinten klappen, damit bis zu 40 eingesteckte Karten buchstäblich greifbar sind. »Dies macht das Produkt aber nicht deutlich teurer, schwerer oder weniger langlebig«, kommentiert Dieter Erhard Junghans, Chef des Aachener Versandhändlers Pro-Idee und Jurymitglied des Troika Junior Design Award, übrigens der Innovationspreis, bei dem Kniff 2007 reüssierte.

Fällt die Wahl nicht gerade auf das Multifunktionswerkzeug für männliche Abonnenten (à 25 Euro), bietet Thomas Selter, Chef der Gustav Selter GmbH in Altena, seinen »Panzerknacker« für kleines Budget an. Der Streuartikel, gern als Mailing-Beigabe von Finanzdienstleistern verwendet (»Wenn Sie wissen wollen, wie Sie an die 50 Cent kommen, rufen Sie uns an!«), kostet weniger als ein Euro und bringt angeblich »Werbewirkung ohne Ende«. In das Geduldsspiel wird eine 50-Cent-Münze integriert, die Mailing-Empfänger offenbar gern herausfummeln und sich so intensiv mit der Werbebotschaft beschäftigen. Bei einem Kaltanschreiben erreichte eine Versicherungsgruppe mit diesem Goody in bestimmten Direktionsgebieten jedenfalls bis zu 23 Prozent Response.

Ebenfalls im Niedrigpreissegment unterwegs ist das individualisierbare Schreibtischset mit dem nüchternen Namen »YN-O 626/A«. Es ist mit Kalender, Haftnotizen und Index ausgestattet und steht laut Hersteller Orcas Customized Products, Groß-Umstadt, dank praktischem Nutzen im Büroalltag das ganze Jahr über auf dem Kundenschreibtisch. »Durch große Werbeflächen auf dem Hardcover kann man viel mehr Informationen, Bilder und Botschaften vermitteln als auf einem Kugelschreiber oder einem Feuerzeug«, skizziert Orcas-Mann Christopher Malik. Die Stückkosten betragen je nach Auflage drei bis sechs Euro. »Das macht, verteilt über ein Jahr, 0,016 Euro pro Tag«, resümiert Malik stolz.

Kunden emotional ansprechen

Unterdessen sollen gebrandete und mit Grußtext versehene Geschenkgutscheine des Experten Maxchoice in Brühl Zielgruppen zum Gang in die Filiale anregen – eine produktunabhängige Spielart von Werbeartikeln. Laut Maxchoice-Chef Helmut Rasch hat sich der eine oder andere Umsatz dank Scheckgabe auch schon mehr als einmal verdreifacht. »Das funktioniert selbst in konservativen Branchen wie Banken«, skizziert Rasch. Komplizierte Gutschein-Umtausch-Aktionen würden entfallen, weil die Voucher wie Bargeld funktioniere. Adressaten müssten weder Anschrift noch Konsumwünsche offenbaren, was die Kontaktchance am Point-of-Sale deutlich erhöhe. »Der Kunde bekommt das Geschenk, das er wirklich haben will«, betont Rasch. Weiterer Effekt: Vor seiner Einlösung verbleibt der Gutschein oft drei Monate nebst Werbebotschaft im Portemonnaie des Empfängers und prägt sich so idealerweise ins Hirn des Begünstigten ein.

In puncto Nachhaltigkeit umstritten, aber hochgradig emotional sind gebrandete Blumengebinde. Trotzdem oder gerade wegen ihrer Wirkung ließ der Anzeigenverkauf des Studenten-Blatts Unicum im Herbst seine Mediadaten an 200 Mediaentscheider verteilen: Fleurop-Firmenservice-Boten überbrachten diese in einer roten Einkaufstasche zusammen mit Herbstblumen. Auch wenn der Claim »Jetzt blüht Ihnen was« nicht gerade subtil ist, war die Aktion ein Erfolg: 75 Antworten gingen bei Unicum ein. Das entspricht einem Response von 37,5 Prozent – bei zumeist positiv bis begeistert gestimmten Reagierern. »Das ist die rücklaufstärkste Aktion, die wir in unserer 25-jährigen Verlagsgeschichte erlebt haben«, resümiert Björn Schumbritzki, stellvertretender Media-Marketing-Chef bei Unicum.

Was ist das nächste spannende Objekt im wieder anziehenden Werbeartikelmarkt? Vielleicht das gebrandete Schutzschild für den virtuellen Planeten von computerspielenden Usern? Vielleicht tut sich ja zur Abwechslung auch etwas in werbeartiklerischen Digitalwelten.

Neue Trends bei Werbeartikeln

Wie die Modebranche unterliegt auch die Werbemittelindustrie saisonalen Trends. acquisa zeigt, was bei Werbemitteln derzeit en vogue ist:

  • Green Life. Etwa Shirts aus recyclebaren Rohmaterialien, Radios mit Kurbelantrieb anstatt mit Batterie etc.
  • Elektronik. Alles rund um PC und Arbeitsplatz – wie MP3-Player oder Daten-Sticks.
  • Outdoor-Produkte. Etwa Picknickartikel aus ökologischen Materialien oder »Markenartikel«-Kleidung.
  • Konvergenz. In allen Produktkategorien gibt es übergreifende Tendenzen wie Outdoor-Elektronik mit Ökologie etc.
  • Maßanfertigung. Produkte, die in Abstimmung mit Auftraggebern konzipiert und angefertigt werden.

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