Kolumne „Feierabend“: Der Naturbursche

2. Januar 2008 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: acquisa

Eigentlich wollte Walter Plötz Naturforscher werden – wenn da nicht die Mysterien des Zitronensäurezyklus gewesen wären. Denn angesichts der komplexen biochemischen Herausforderungen verlegte sich der heutige Kreativchef der Hamburger Agentur Publicis doch lieber auf Geisteswissenschaften – und die führten ihn über einen Studentenjob mitten in das Herz der Werbeszene: als Texter. Und sein Talent nutzt er nicht nur beruflich. So stammt der atmosphärische Gastroführer durch 100 Gaststätten und sechs Regionen mit dem Titel „Draußen am Land. Kulinarisches und mehr aus Franken und der Oberpfalz“ aus Plötz’ Feder. „Ich habe in den Semesterferien Gaststätten getestet, Landschaften beschrieben, mich mit Karpfenzucht, Schnapsbrennen, Tabak- und Weinbau sowie Bierbrauen beschäftigt“, schmunzelt er.

Seinen Beruf liebt er auch. „Obwohl der mit meinen Privatinteressen nichts zu tun hat“, wie der (fast) 45-Jährige zugibt. Er hat eben auch Spaß an der Werbung, kreativen Lösungen und Jurysitzungen bei den Eurobests, Caples und ddps dieser Welt. Mitarbeiter berichten, hingerissen seinen Präsentationen zu lauschen, seiner angenehmen Stimme, mit dem fränkischen, rollenden „R“. Aber privat gilt seine Leidenschaft vor allem der Natur. „Ich liebe die Schöpfung“, sagt Plötz. Aufgewachsen in Bayern, hat er jede freie Minute in den Bergen verbracht und mit seinem Bruder – dem Förster – Bäume und Wildverbiss dokumentiert. Plötz war Bergführer und Höhlenkletterer und ist heute noch Mitglied im Alpenverein und im BUND.

In seiner Wahlheimat Aumühle bei Hamburg ersetzt der Sachsenwald zumindest ein bisschen die fränkischen Bergwälder. Topografische Gipfel gibt es hier jedoch nicht zu erklettern. Dafür spielt er Fußball und Tennis, oder joggt in der Frühe mit seiner Flat-Coated-Retriever-Hündin Toni durch die Natur.

Aber die Berge sind für ihn durch nichts zu ersetzen. In Vietnam war er schon, und Südafrika hat er gesehen – aber „der Gipfel des Glücks“ war der Urlaub mit seiner Frau auf einer Selbstversorgerhütte in 2.600 Metern Höhe in Südtirol. „Wir haben eine faszinierende Bergeinsamkeit erlebt“, schwärmt er. „Das Schöne an den Bergen ist nicht das Jagen nach Schwierigkeitsgraden, sondern das grandiose Naturerlebnis weitab der Touristenströme.“ Logisch, dass Plötz seinen Lebensabend irgendwann einmal in den Bergen verbringen möchte. Aber zunächst warten noch jede Menge kreative Gipfel in der Hansestadt auf ihn.

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