Kolumne „Feierabend“: Der Hobbyist

5. Dezember 2007 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: acquisa

Mancher Entscheider, der sich mit Mailings oder Handelsstrategien befasst, brennt privat für Wild Water Rafting, Polo oder Pilates. Mathias Wieland beschäftigt sich mit Politik, Journalismus und Rhetorik. Langweilig? „Im Gegenteil!“, schmunzelt der Mittdreißiger, der sich seit einem Jahr als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Berliner Lobbyvereins Kundendialog in Deutschland (KiD) für Call-Center-Belange einsetzt. Politik ist sein Leben. Wieland hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur beruflich mit politischen Themen befasst: ob als Lokaljournalist („vom Großbrand bis zum Hähne-Kräh-Wettbewerb“), Politiker bei der Jungen Union, PR-Mann der CDU-Landtagsfraktion NRW oder Lobbyist im Bundestagsumfeld. Selbst am heimischen Grill debattiert der Münsterländer gern mit Freunden bei einem Glas Roten über seine Leidenschaften. Er bezeichnet sich selber als „kreativen Strategen“, der die Welt bewegen will. Und er träumt von einem „Klimawechsel“ – weg von einer Neid- hin zur Erfolgsgesellschaft.

Das Schlüsselerlebnis hatte er 2006. Da besuchte Wieland das Seminar „Der erfolgreiche Weg“ des mediengepriesenen Rhetoriktrainers Nikolaus B. Enkelmann. „Ich bin kein Typ, der Chaka-Geschichten mag“, bekennt er. Nüchternes, logisches Handeln liege ihm näher. Trotzdem war er von Enkelmann elektrisiert – und das hat sein Leben verändert. Wieland hatte bis dato alles, „was einen jungen Mann glücklich macht“: ein großes Büro mit Sekretärin, einen flotten Dienstwagen, eine schöne Altbauwohnung in Berlin und vor allem eine faszinierende Partnerin. Dennoch merkte er, „dass mir in meinem Leben etwas Elementares fehlte: ein Wegweiser im Alltag“.

Indem er sich mit Lebenszielen, Menschen und Mentoren auseinander setzte, hat Wieland offenbar seinen persönlichen Plan gefunden. Dazu trugen auch „charismatische“ Begegnungen bei, etwa mit Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl oder – kickernderweise – der Fußballikone Franz Beckenbauer. „Ich lernte wertvolle Menschen kennen. Es folgten ein neuer Job und ein kreativer Visionsfindungsprozess“, so Wieland stolz.

„Macht dieser Mann auch mal Urlaub von seinen Hobbys?“, mag manch einer stöhnen. Würde Wieland auf einer einsamen Insel ausgesetzt, müssten neben Partnerin Stefanie und Labrador Duke jedenfalls ein i-Pod mit guter Musik und Hörbüchern dabei sein. Außerdem ein Laptop, „um meinen Bestseller zu schreiben“, sowie eine satte Ladung Grillleisch. „Außerdem ein Funkgerät, um die Rückfahrt zu buchen“, schmunzelt der Erfolgsjäger. Immerhin ruft die Berufung.

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