Versandhandelskongress und Mail Order World: Attraktivität steigern

5. Dezember 2007 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: acquisa

Auf dem Versandhandelskongress und der Mail Order World (MOW), die Ende Oktober in Wiesbaden stattfanden, zeigte sich die Branche zuversichtlich für das Jahr 2008. Vor allem die stark steigenden Internet-Bestellungen verheißen einen positiven Ausblick.

„So viel Breite und Tiefe bei Ausstellern und Besuchern kriegen Sie selten“, urteilt Patrick Palombo, Versandhandels-Experte aus Hannover. Trotz des Mottos „Versandhandel 2.0“ habe der Schwerpunkt der Veranstaltung zum Glück auf pragmatischen Werkzeugen und dem „demokratischen Miteinander neuer und traditioneller Vertriebskanäle gelegen – ohne zu vergessen, woher Umsätze und Renditen kommen“.

Messe und Kongress reüssieren

Auch die Zahlen, die das Veranstaltertrio (bvh Bundesverband des Deutschen Versandhandels, Branchendienst „Der Versandhausberater“ und Organisatorin B+P Management Forum) im elften Jahr präsentierten, können sich sehen lassen: 1.254 Kongressteilnehmer verfolgten die Vorträge, sieben Prozent mehr als 2006. Die Messebesucherzahl (inkl. Kongressteilnehmer) legte um knapp 15 Prozent auf 4.738 zu. Auf der Messe präsentierten sich 370 Aussteller – 2,5 Prozent mehr als im Vorjahr. bvh-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Steinmark zieht ein positives Fazit: „Der Fokus auf qualitatives Wachstum hat sich bezahlt gemacht.“ Kongress und MOW hätten gezeigt, dass man auch im Expansionsfeld E-Commerce gut aufgestellt sei, trotz Terminüberschneidung mit der Internet World.

Laut Werner Scheller, Präsident und Vertriebsgeschäftsbereichleiter Brief Geschäftskunden bei der Deutschen Post in Hannover, zeigten Messe und Kongress „gewichtig und harmonisch die Vielfalt des Versandhandels“ – in puncto Innovation, Kreativität, Chancen und Menschen: „Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt.“ Dr. Carsten Uthoff, Vorstand von Creditreform in Neuss, glaubt zudem an eine Trendwende am Markt, welche die Veranstaltung beflügelt habe: „Jetzt nimmt auch das Engagement der Stationärhändler und Markenartikler zu.“ Zweistellige Umsatzraten im B-to-B-Versandhandel würden für Euphorie sorgen.

Nach den Worten von Dr. Kristian Carstensen, Chef der Bonner Post Direkt, sei die turbulente Veranstaltung mittlerweile ein „Ankerpunkt des Direktmarketings“. „Allerdings braucht die Veranstaltung auch weiterhin Innovationen“, warnt er. Ein „Ausfransen an den Rändern“ müsse durch Fokussierung verhindert werden. „Der Bedeutung von Online haben die Fachkonferenzen zwar umfassend Rechnung getragen“, ergänzt Jens Weyland. Dem Chef der Versandhandessparte bei AZ Direct in Gütersloh fehlten jedoch „zukunftsweisende Impulse abseits vom State-of-the-Art“.

Konsolidierung auf hohem Niveau

Co-Veranstalter Martin Groß-Albenhausen, Chefredakteur des „Versandhausberaters“, glaubt, in diesem Jahr eine „optimierbare Blaupause für 2008“ gefunden zu haben: „Es war unsere beste Veranstaltung. Wir haben keine Sorge, dass das Event im nächsten Jahr kippt.“ Zwar habe es am ersten Kongresstag weniger „Glanzlichter“ gegeben. Dennoch sei eine Konsolidierung auf hohem Niveau bis zum Nachmittag des zweiten Tages gelungen. Angelika Poggensee, Client Service Director der Hamburger Agentur Publicis, lobt jedenfalls , „tiefgründige und nicht-offensichtlich-verkäuferische Vorträge“ – besonders am ersten Tag.

Gut kamen die Referate der Onliner Philipp Schindler (Google Deutschland) über Mythen der Internetnutzung sowie Ralf Kleber (Amazon.de-Chef) über „Communitiy Challenges“ und Kundenzentrierung an. Daneben berichteten Nick Robertson, CEO des britischen Modeversenders Asos.com, und Marc Opelt, Chef des Baur Versands, über die strategische Ausrichtung ihrer Unternehmen. „Im Kongress wurde die Zahl der Vorträge durch Dienstleister um die Hälfte reduziert und die der Distanzhandelsreferenten gesteigert“, sagt Diana Goldbeck, Projektleiterin für den Versandhandelskongress und die MOW. Das Programm widmete sich unter anderem den Themen Multichannel-Versandhandel, E-Commerce, Logistik und Fulfillment sowie Direktmarketing. Die Messehallen, vor allem während des ersten Messetags. Das Gros der Aussteller lobte die Gesprächsqualität. „Ich habe Dienstleister entdeckt, die für uns relevant sind, aber nicht auf den Mailingtagen zu entdecken waren“, freut sich Besucher Jan Möllendorf, Chef der Erlanger Agentur defacto kreativ. „Wir sind mit einem positiven Eindruck nach Hause gefahren“, resümiert Aussteller Siegfried Dorner, Chef der Druckerei Förster in Sulzbach-Rosenberg. Und das, obwohl das Unternehmen seinen Stand in einer der unattraktiveren Hallen hatte, wo einige Aussteller mangelnde Besucherfrequenz bemängelten. An der Aufwertung dieser Hallen werden sich die Veranstalter im kommenden Jahr erneut versuchen. Die dortige Einrichtung eines Catering-Bereichs hat laut Goldbeck nur bedingt zusätzliche Besucher angezogen: „Wir müssen die Attraktivität steigern, indem wir dort Magnetmieter finden und Sonderaktionen fahren.“

Highlight des Versenderherbstes war das glanzvolle Galadiner für die Branche am 23. Oktober im Kurhaus Wiesbaden. Dort wurden drei Gewinner geehrt: Der Elektronikversender Conrad in Hirschau darf sich 2007 „Versender des Jahres“ nennen. „Das Familienunternehmen steht mit Katalog, Internet und Filialen für den modernen, vollständigen Multichannel-Handel und ist in Europa eindeutiger Marktführer im Versandhandel und bei technischen Produkten“, sagte Thomas Lipke, Vorjahrespreisträger und Chef des Hamburger Outdoor-Spezialisten Globetrotter, in seiner Laudatio. Der Chocolatier- und Aboversender Pralinenclub in Rhede wurde mit dem Nachwuchspreis „Young Business Award“ ausgezeichnet – für Ideenreichtum, Witz, Charme und wirtschaftlichen Erfolg. „Multi-Channel-Retailer of the Year“ wurde US-Legende Gordon Segal, Gründer des Einrichtungs-Multichannelers Crate & Barrel mit Sitz in Chicago – seit 1998 eine Mehrheitsbeteiligung der Otto Group mit einem Jahresumsatz von 1,5 Milliarden US-Dollar.

Innovationspreise für Versender

Tags darauf wurden im Rahmen der Mail Order Party weitere Branchen-Oscars verliehen. Zwar waren die Messeteilnehmer ohne Kongressticket „not amused“, einen zusätzlichen 75 Euro Eintritt zu zahlen. Dafür wurde die Preisverleihung in würdigem und ausbaufähigen Rahmen präsentiert. „Die Vorstellung der einzelnen Online- und Print-Katalogangebote war interessant, zumal die Verantwortlichen Gelegenheit hatten, auf die Konzeption einzugehen“, lobt Martin Frommhold, Unternehmenssprecher des Hamburger Sponsors Hermes. So räumte der Dental-Discounter Promed in der B-to-B-Kategorie Katalog des Jahres ab. Ratioform wurde zum besten B-to-B-Webshop gewählt. B-to-C-Online-Shop des Jahres wurde Fahrrad.de. Den Online-Innovationspreis gewinnt das Online-Spiele-Portal sqoops.de.

Der Revoluzzer-Magalog „Brandneu“ aus dem Hause Otto schaffte es als „Katalog des Jahres B-to-C“ aufs Siegertreppchen – dank radikaler Verstöße gegen die „reine Lehre“ bei gleichzeitigem Erfolg: „Brandneu“ gelingt es, sich neue Zielgrupen zu erschließen, bewegt Markenhersteller, ihre Produkte erstmals im Versandhandel zu präsentieren. Außerdem zeigt der Magalog, dass man den Multikanalverkauf wirtschaftlich vom Katalog her kommend und interessant inszenieren kann, urteilte die Jury.

Versandhandel: Umsatzbringer E-Commerce

Die Versandhandelsbranche rechnet für das Gesamtjahr 2007 mit guten Ergebnissen. Vor allem die Internet-Bestellungen ziehen an. Die Zahlen im Überblick:

  • 2007 geben die Deutschen für Waren den neuen Rekordwert von 10,9 Milliarden im Internet aus (mehr als 39 Prozent Umsatzanteil am Distanzhandel).
  • Das Internet ist der meist genutzte Bestellweg (Anteil 2007: 39 Prozent; Vorjahr: 34 Prozent).
  • Warengruppen-Spitzenreiter bei Online-Bestellungen sind Textilien und Schuhe, gefolgt von Medien, Bild- und Tonträgern sowie Unterhaltungselektronik.
  • 39 Prozent der 50- bis 59-Jährigen bestellen 2007 im Web (Vorjahr: 34 Prozent). Bei Über-60-Jährigen geht jede sechste Bestellung online ein, das entspricht einer Steigerung von 12 auf 15 Prozent.
  • 73 Prozent der Online-Shopper haben vor der Bestellung einen Katalog konsultiert.
Quelle: TNS-Infratest/bvh

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