Bezahlverfahren: Kunden und Händler wollen es bequem haben

21. November 2013 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: Dialog

Die Zahl der Internet-Bezahllösungen hat in den vergangenen Jahren zugelegt, auch wenn Online-Shopper den tradierten Rechnungskauf noch heiß und innig lieben. Neue Payment-Anbieter und Inkassofirmen schießen wie Pilze aus dem Boden – wohl auch, weil laut E-Commerce-Center Köln (ECC) erkleckliche 30 Prozent der Händler einen Zahlungsausfall von mehr als einem Prozent verzeichnen.

Payment-Lösungen dürfen allerdings nicht nur das Ausfallrisiko minimieren. Die Händler müssen ihren Einsatz auch finanzieren können. Und: „Die Methoden müssen mit Bequemlichkeit und Verbreitung punkten, um sowohl den Anforderungen der Konsumenten als auch den Erwartungen der Händler gerecht zu werden“, skizziert Svenja Groß, ECC-Projektmanagerin. Besonders beliebt sind Analysen zufolge Paypal von Ebay, Sofortüberweisung.de (beide mit hohen Markt- anteilsgewinnen) und Amazon Payments.

Doch welche Methoden landen im Payment-Portfolio der Händler? „Wir müssen uns genau überlegen, was wir davon haben, welche Methode wir damit ersetzen und zu welchen Konditionen wir sie nutzen“, betont Michael Cimbal, Leiter Versandhandel Europa beim Flensburger Erotikversender Orion. National tätige Händler täten sich keinen Gefallen, wenn sie ihren Kunden mehr als sieben Zahlungsmethoden anbieten. „Vor allem brauchen wir keine Zusatzmethoden, die den bestehenden zu sehr ähneln“, warnt der Manager.

Orion hat sich europaweit ein Portfolio von sechs Zahlungsmethoden aufgebaut. Zum Grundstock zählen die dank Ebay etablierte Vorabüberweisung, die Kreditkarte und Paypal – wenngleich der hiesige Payment-Star in manchen Ländern nicht sonderlich etabliert sei. Auf die Nachnahme will Orion wegen ihrer Beliebtheit bei den Kunden nicht verzichten. Zudem nutzen die Flensburger den Klassiker Rechnungskauf und ein Direktüberweisungsverfahren. Anfang 2014 will Cimbal noch Giropay in den Online-Shop integrieren – wegen dessen „Beständigkeit, Sicherheit und guten Standings“.

Ebenfalls fürs kommende Jahr plant die Deutsche Kreditwirtschaft, die Girocard – im Einzelhandel das führende bargeldlose Zahlungssystem – bei Nutzern und Händlern im Online-Handel salonfähig zu machen. Online-Shopper können sich per Chip-Tan-Leser, Bluetooth-Device oder einer Verknüpfung aus Hardware und Passwort authentifizieren.

Abseits dieser einlagengesicherten Welt bringt sich Amazon Payments in Position. Die Lösung für die Zahlungsabwicklung existiert seit 2011. Der Konzern um- schmeichelt Händler, die „verlässliche und sichere“ Methode in ihren Online-Shop zu integrieren. Sie helfe Verkäufern, „die Konversion zu steigern, neue Kunden zu gewinnen und die Kosten zu senken“, behauptet Bodo Kipper, Director Merchant Services bei Amazon. Während das Payment über Amazon läuft, bleibt der Händler – Anwender sind beispielsweise Butlers, Falke und Thomann – für die Bestellung zuständig. Die Versandinformation trägt allerdings den Absender „Amazon Payments“ und nicht den des Verkäufers. Shop-Betreiber müssen davon ausgehen, dass Amazon die Zahlvorgänge beziehungsweise den Check-out-Prozess genau analysiert. „Wir wollen nicht riskieren, dass dadurch unsere Kunden zu Amazon abwandern“, gibt Orion-Manager Cimbal zu bedenken.

Dass Amazon dann „auch die gelbe Tasse“ in sein Sortiment aufnehmen könnte, davor ist Jörg Arndt nicht bang. Laut dem Geschäftsführer von Butlers in Köln („Ver- sender des Jahres 2013“) ist es entscheidend, wie austauschbar das Sortiment des Verkäufers und potenziellen Anwenders ist. Käufer brächten ihre Zahlungspräferenzen und das Vertrauen gegenüber der amazonschen Lösung mit: „Amazon-Kunden kaufen zunächst über den Market Place Butlers-Produkte, kommen dann in unseren Shop und nutzen auch dort Amazon Payments“, ist Arndt überzeugt.

Zwar betont Konkurrent Paypal (das laut ECC von Mobile-Shoppern am meisten genutzte Zahlungsverfahren vor Kreditkarte und Rechnung), seinen Umsatz via M-Commerce von 2011 bis 2012 um 250 Prozent gesteigert zu haben. „Mobile Kunden weisen ein enormes Potenzial auf und führen zweimal so viele Transaktionen durch wie der durchschnittliche Paypal-Nutzer“, erklärt Arnulf Keese, Geschäftsführer von Paypal Deutschland. Ein Paradigmenwechsel bei den mobilen Zahlungsmethoden ist wahrscheinlich dennoch nicht in Sicht. „Dass wir in drei Jahren alle nur mit dem Iphone bezahlen, halte ich für Unfug“, findet Matthias Hönisch, Zahlungsverkehrs-Experte beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Berlin. Er glaubt nicht so recht an die rasante Entwicklung des Mobile Commerce: „Große Summen werden ab 200 Euro aufwärts am PC umgesetzt.“

„Da ein Standard für vielfältige Einsatz-möglichkeiten und damit Reichweite fehlt, schreitet die Entwicklung langsam voran“, ergänzt ECC-Projektmanagerin Groß. Einstieg, Implementierung und der Aufwand, Kunden an neue Verfahren heranzuführen, bildeten riesige Hürden. Dennoch glimmt im Cross-Channel-Payment, das sich wie beispielsweise Yapital von Otto stationär, im Web und mobil einsetzen lässt, ein Hoffnungsfunke: „Mit einem ,M-Wallet‘ können Händler auch Loyalitätsprogramme einbinden und die Nutzer ihre Ausgaben verwalten“, sagt Groß. Der Mehrwert aus Käufer- und Händlersicht entscheide über die Zukunft einer Payment-Lösung.

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