Best Ager: Rebellen in Schlohweiß

8. Juni 2006 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: Dialog

Mit der 50-plus-Fokusgruppe im Dialog – Zielgruppe im Wandel

Die Revoluzzer sind wieder da. Diesmal im Internet. Glaubt man Alexander Wild, Chef der Senioren-Online-Community Feier@bend, befinden sich die 68er gerade zum zweiten Mal im Aufbruch: „Sie treiben den Wandel des Internet zum Aktivistenund Rebellenmedium voran – als kritische Konsumentengruppe.“ Gerade die „Silver Surfer“ haben hohe Ansprüche an Leben und Konsum. Sie empfinden sich als zehn Jahre jünger, als es ihnen die Geburtsurkunde bescheinigt, und verfügen über ein relativ hohes Einkommen.

Wild zufolge konfiguriert sich die Avantgarde beispielsweise hingebungsvoll Reisen im Web selbst – aus Flug-, Mietwagen- und Hotelbausteinen. Insgesamt surfen laut Feier@abend schon 22 Prozent der über 50-Jährigen im Netz. Marktforscher GfK hat ermittelt, dass bereits mehr als ein Drittel der 50- bis 79-Jährigen Online-Shopping als positiv beurteilen.

„Werbungtreibende müssen sich an den Wandel der Alten zu ,jungen Alten‘ anpassen, mit der Zielgruppe in den Dialog treten und ihr genau zuhören“, skizziert Wild. Wenn man es richtig abhole und binde, dann handele es sich um ein sehr dankbares Kundensegment.

In der Kommunikation zählten Glaubwürdigkeit und Respekt vor den Erfahrungen der „Herbstzeitlosen“, wie Wild sie liebevoll tituliert. Auf den Punkt zu kommen und mit Liefer- und Reparaturservices für Bequemlichkeit zu sorgen, komme sehr gut an. Tabu hingegen seien „eine von Anglizismen durchsetzte MTV-Sprache und mit Mieder-Badeanzügen dekorierte 20-jährige Magermodels“.

Damit jedoch nicht der nach allen Regeln der Kunst erdachte Senioren-Touristik-Folder wie Blei in den Regalen liegt oder das 50plus-Telefon mit den großen Tasten im Regal verstaubt, sollten Werbungtreibende in Marktforschung und Dialog mit den Fokusgruppen investieren, empfiehlt Wild.

Neben Erlebnisparks, die ihre Achterbahnen am lebenden 50plus-Objekt auf Seniorentauglichkeit prüfen, hat auch die Industrie die Zeichen der Demographie erkannt. Gerade hat Feier@bend ihre 86000 Mitglieder online dazu aufgerufen, sich als so genannte Senioren-Scouts und Tester der Daimler-Chrysler-Marke Smart zur Verfügung zu stellen. Binnen weniger Tage bewarben sich rund 1000 Menschen im reifen Alter um eines von zehn Testfahrzeugen.

„Smart erhofft sich durch diese Kampagne Anregungen Produktverbesserung und hinsichtlich Seniorentauglichkeit“, Wild und fügt hinzu: „Jedes zweite wird inzwischen von einem gekauft. Noch will das allerdings kaum Autohersteller wahrhaben.“

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