Handelsplatz China sprengt die Mauer

7. November 2013 Kommentar Link zu diesem Artikel

Seit 2013 gilt China als größter Online-Handelsplatz der Welt. Das bedeutet nicht nur Bedrohung, sondern auch Chance: „Die Supply Chain für den Im- und Export mit China liegt so nah.“ Mit diesen Worten startete Dr. Dirk Seifert, Leiter internationale Forschungsgruppe zu E-Commerce, M-Commere & S-Commerce an der Fudan University, Shanghai, die internationale Handels-Session auf dem Berliner etailment Summit. „Das Mobile Internet wächst in China wegen der Zugangsmöglichkeiten schneller als sein Desktop-Pendant“, skizzierte Seifert. Jährlich stoße eine Bevölkerung in der Größe Frankreichs zur chinesischen Mobile-Gemeinde hinzu. Zudem ist der am schnellsten wachsende Mobile-Kanal in China fast schon so stark ausgeprägt wie das Desktop-Internet. 420 Millionen mobile Internet-Nutzer telefonieren, mailen, surfen, tappen und swipen mit 1,15 Milliarden Mobil-Telefonen. Dem stehen 564 Millionen konventionelle Internet-User und davon 210 Millionen klassische Online-Shopper gegenüber, so Seifert. Zudem beflügele die neue Führung des Landes den Trend des virtuellen Shoppens – ebenso wie die u.a. korruptionsbedingte Tendenz zu Luxus-Shopping über unauffällige, digitale Kanäle.

Erfolgreich eine Supermarktfiliale gegenüber der Verbotenen Stadt in Peking oder vor der Nase der Konkurrenz zu betreiben, ist offenbar nicht schwer – Augmented Reality und ausgeklügelte Shopping- und Logistikprozesse machen’s möglich (Quelle: Youtube)

 

Alles andere als Copycats

Der Vorwurf, chinesische Unternehmen seien Copycats, stimmt laut Seifert in folgendem Punkt nicht: „Chinesische Unternehmen sind im Mobile-Bereich führend.“ Same-Day-Delivery findet in China auf teilweise überladenen Scootern seinen Ausdruck. „Die Alibaba Group in Hangzhou, Betreiberin von diversen Handelsplattformen, macht mit 160 Milliarden US-Dollar so viel Umsatz wie unser ganzer Kontinent zusammen“, betonte Seifert. Xiu.com ist unterdessen zu einem chinesischen eBay mutiert. Jd.com, aufstrebender Elektronikriese, plant offenbar, ins westliche Ausland zu expandieren. Und das Edel-Label Shanghai Tang hat längst das Zeug, so manche europäische oder amerikanische Modemarke vor Neid erblassen zu lassen. Last, but not least unterhält Yihaodian, innovativer Online-Lebensmittel-Einzelhändler, seit 2012 rund 1.000 virtuelle Einkaufsläden in chinesischen Metropolen, allein rund 100 davon in Peking. Dort können vor allem Kunden, die gern stationär kaufen, mittels Augmented-Reality-Anwendung (AR) an markanten urbanen Punkten in einer scheinbar physischen Filiale ohne Warteschlangen ihre Warenkörbe füllen. Die Pixel-Dependancen befinden sich etwa gegenüber Pekings Verbotener Stadt oder trotzen vom Parkplatz aus einer stationären Carrefour-Filiale. AR-Shopper von Yihaodian erhalten ihre Lieferung binnen kürzester Zeit in die heimische Kohlenstoffwelt geliefert. Die Prozesskombination aus Brick-and-Mortar und virtuellem Shopping bescherte Yihaodian laut eigenem Bekunden binnen drei Monaten einen 17-prozentigen Umsatzzuwachs. Seit vergangenem Jahr hält Walmart 51 Prozent an der Supermarktkette.

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