Interview: „Der deutsche Markt bleibt für chinesische Händler fast gänzlich unbearbeitet“

2. Juni 2014 Kommentar Link zu diesem Artikel

In Alibabas Fall, globaler E-Commerce-Gigant aus China, konnte ich zuletzt nicht genug von Interviews kriegen. Nicht nur habe ich kürzlich mit dem ehemaligen Vice President Porter Erisman ein Gespräch über den globalen und chinesischen Online-Handel führen dürfen – über die merkantilen Eigenarten in Asien und chinesisch-westlichen Handelsbeziehungen.

Bei der Deutschland-Filmpremiere „Crocodile in the Yangtze“, Porters Alibaba-Filmdokumentation über den charismatischen Alibaba-Gründer Jack Ma und seine in kürzester Zeit aufgestiegene fulminante Firma, hat mir Benjamin E. Jakob, Strategischer Berater und Gastdozent an der German Graduate School of Management and Law (GGS) in Heilbronn eine interessante Einschätzung zum Thema geliefert:

Benjamin E. Jakob: "Viel ungehobenes Potenzial im Global Sourcing"

Benjamin E. Jakob: „Viel ungehobenes Potenzial im Global Sourcing“

 

Wie ordnen Sie die Strategie von Jack Mas merkantilem Netzwerk-Giganten ein?

Benjamin E. Jakob: Alibaba ist bis dato durch einen Trial-and-Error-Ansatz aufgefallen.

Das würde bedeuten, der rote Faden im wissenschaftlichen Sinne fehlte …?

Jakob: Dennoch ist Alibaba der ‚Godfather‘ des globalen E-Commerce, und ermöglicht weltweit Unternehmen international neue Märkte zu erschließen, nur in der eigenen globalen Expansion scheint Alibaba paradoxerweise noch etwas zögerlich.

Warum? Immerhin bilden u.a. zwei US-Start-ups, die Alibaba 2009 gekauft und in der B-to-C-Plattform 11 Main hat aufgehen lassen, eine Ausnahme …

Jakob: Der überwiegende China-Fokus mag mit den weißen Flecken auf der lokalen Business-Landkarte zu erklären sein: Etwa im Payment, bei Karten- und Messenger-Diensten, in der Logistik und bei Streaming-Angeboten klaffen in China noch zahlreiche Lücken. Diese sollten wir übrigens aus europäischer Sicht nicht kampflos den chinesischen Anbietern überlassen.

Zieht es Alibaba und sein Händlernetzwerk jetzt verstärkt nach Deutschland und in die übrigen europäischen Staaten?

Jakob: Der deutsche Markt bleibt für chinesische Händler fast gänzlich unbearbeitet. Alibaba könnte vor allem im B-to-B-Geschäft viel stärker in Europa vertreten sein. Hier liegt viel ungehobenes Potenzial brach, etwa im Global Sourcing. Alibaba hätte hier viel früher ein Gegenmodell etablieren können. Allerdings: In den B-to-C-Sales zwischen China und Deutschland kommen Handelsbarrieren erschwerend hinzu.

 

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.