Megaphon-Sieger Akustika: Gewitzte Kampagne gegen akustisches Leid

14. Mai 2013 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: Jahr der Werbung

Akustika Spezial „Ohrensausen.de – Tini“ von Leo Burnett, Frankfurt

Ein nerviger Zeitgenosse ist dieser Tini. Quasselt einen voll, ohne Punkt und Komma. Nur abstellen kann man ihn nicht ohne Weiteres.

„Tini“ steht für Tinnitus: Ohrensausen betrifft 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Dauerhaft. Die Leidtragenden hören Ohrengeräusche, ohne dass ein äußeres Schallsignal vorliegt. Viele der Betroffenen sind dem Tinnitus hilflos ausgeliefert. Sie haben Angst vor den verwirrenden Geräuschen. Dadurch leiden diese Menschen oft unter Schlafstörungen, Unausgeglichenheit und manchmal sogar unter Depressionen. Oft hat der Tinnitus krankhafte Ursachen wie Halswirbelerkrankungen, Hörsturz oder Lärmschäden.

Rauschen und Ruhe

Um darauf aufmerksam zu machen, dass Tinnitus-Geräusche zwar extrem unangenehm sind, aber behandelt werden können, entwickelte die Agentur Leo Burnett für die Gehörtherapeuten von Akustika Spezial, beide in Frankfurt, eine – das liegt beinahe auf der Hand – akustische Kampagne. Ein eindringlicher Radiospot klärt Betroffene darüber auf, wie sie sich helfen lassen können: Erst redet, der Stimme nach, eine aufgedrehte, nervtötende Mixtur aus Rumpelstielzchen und Pumuckl. In hoher Stimmlage und flotter Geschindigkeit. Tini, Nervensäge und Sinnbild des Tinnitus, blubbert wie ein Wasserfall, ohne jegliche Atempause:

„Hallöchen mein name ist tinnitus aber meine freunde nennen mich tini wobei ich mich gerade frage ob ich überhaupt freunde habe schließlich sind die meisten menschen ziemlich angenervt von mir nennen mich ohrensausen und fragen sich woher ich komme es kann viele gründe haben und es gibt auch möglichkeiten gegen mich etwas zu unternehmen zum beispiel bei akustika spezial in frankfurt schauen sie doch einfach mal auf der webseite www.ohrensausen.de vorbei und sie machen den ersten schritt um mich abzuschalten.“

Erst eine zweisekündige Ruhepause lässt die Zuhörer die wohltuende Wirkung einer Therapie erahnen und aufatmen. Dann ertönt eine normale, angenehme Stimme aus dem Off: „Mehr Ruhe unter www.ohrensausen.de

Herausragend an dem kontrastreichen Healthcare-Spot, der bis November 2012 auf HR info und HR 1 lief, ist, dass er eine gewisse Gelassenheit gegenüber einem gesundheitlichen Problem ausdrückt und nicht das Positive dramatisiert. Die Kampagnenmacher nehmen das Problem Tinnitus zwar Ernst, nähern sich dem Thema aber bewusst mit Humor. „Jeder, dem ich diesen Radio-Spot vorgespielt habe, hat gelacht. Ich bin begeistert, dass man über solch ein ernstes Thema auch einmal lächeln kann“, sagt Gabriele Lux-Wellenhof, Geschäftsführerin von Akustika Spezial. Die Hörgeräteakustiker-Meisterin betont, wie erklärungsbedürftig die therapeutische Dienstleistung wider das Ohrensausen ist. Darum machten Akustika und Leo Burnett in ihrer Kommunikation aus der Not eine Tugend: „Anstatt eine Lösung durch ein Medikament oder eine Dienstleistung hervorzuheben, haben wir das Problem zum Thema gemacht“, ergänzt Andreas Pauli, Chief Creative Officer bei Leo Burnett. Dabei kommt es nicht von Ungefähr, dass sich der „Tini“-Spot über den Gehörsinn artikuliert: „Das Thema Tinnitus ist sehr gut geeignet, im Radio aufmerksamkeitsstark und kreativ gespielt zu werden“, erläutert Pauli. Immerhin handele es sich um ein akustisches Problem.

Witzige Lösung nimmt Betroffene Ernst

Auch die Adressaten mit Ohrensausen reagierten positiv. „Die Menschen, die selbst unter Tinnitus leiden, fühlten sich beim Hören des Spots verstanden und waren froh darüber, eine Lösung auf witzige Art und Weise vorgeschlagen zu bekommen“, erklärt Mark-Marcel Müller, Copywriter bei Leo Burnett und auch die ausgebildete Stimme im Spot.

„Tini“ wurde bislang beim Epica 2012 mit Bronze ausgezeichnet und gewann gleich zweimal bei The Global Awards 2012. Außerdem reüssierte die Kampagne beim Clio Healthcare. Last, but not least, ist dem Tini- Spot das Megaphon des „Jahrs der Werbung“ 2013 in Bronze sicher – in der Kategorie Gesundheitskommunikation (B2C) Audio.

Dieser Beitrag ist im Jahr der Werbung 2013 erschienen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.