Jeff Jarvis: „Schützt das Web!“

19. Juni 2013 Kommentar Link zu diesem Artikel

Jeff Jarvis: „Wir brauchen Privatheit, aber auch die Möglichkeit, im Internet publizieren zu können“

„Zwar liefert uns die Guttenbergpresse direkt in unserer Hosentasche ein mächtiges, disruptives Werkzeug“, sagte US-Medienguru Jeff Jarvis auf den Nürnberger Mailingtagen über das Internet. Aber die Angst vor der Technologie und dem Kontrollverlust bei der Preisgabe privater Daten könnten das Potenzial des Web limitieren: „Wir brauchen Privatheit, aber auch die Möglichkeit, im Internet publizieren zu können“, betonte Jarvis. Würden wir es nicht schützen, würden wir das Potenzial des Web limitieren.

Jarvis kommentierte in seinem Vortrag nicht nur, dass Marken der Öffentlichkeit bereits gehörten – auch wenn noch viele Brands den Kundendialog im sozialen Netz oder eine gemeinsame Produktentwicklung mit dem Kunden vermieden. Launig skizzierte Jarvis außerdem kulturelle Unterschiede und wie sich diese auf die Web-Nutzung auswirkten. So unterläge jede Nationalität einer gewissen Schizophrenie: Während sich die Deutschen massivst um die Preisgabe personenbezogener Daten und die Verpixelung ihres Wohnhauses in Streetview sorgten, würden sie vor dem Gang in eine gemischte Sauna keineswegs zurückscheuen. In den USA sei dieses Phänomen genau umgekehrt.

Mittelfristig könnte sich die Freizügigkeit im Netz allerdings nivellieren – vorausgesetzt man arbeite transparent (Zusatz: und Staaten erlaubten es ihren Unternehmen gegenüber den Bürgern transparent zu agieren) und erkenne beim Teilen von Informationen den Mut zu Fehlern an. Jarvis: „Das Internet hilft uns, Unperfektes mit Hilfe der Öffentlichkeit zu optimieren und unser Denken in neue Bahnen zu lenken.“ Würde man das demokratische Konzept des „Jeder darf sich verbinden, sprechen, teilen, versammeln“ verantwortungsvoll leben (Ethik des „Responsibility of Knowing“), veränderten Transparenz und eine tolerante Gesellschaft nicht nur die Beziehung zum Kunden, sondern verbesserten auch den Kundenservice und das Vertrauen in Marken, Unternehmen und Prozesse.

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