Jochen Krisch über Mobile Commerce: „Noch viel Luft nach oben“

28. Juni 2016 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: dmag

Dank Mobile wird der E-Commerce in eine weitere, neue Phase eintreten. Welche Lösungen bei Kunden ankommen und wie junge Wilde den Handel aufmischen könnten – darüber haben wir mit Jochen Krisch gesprochen, Chef der Münchner K5 und des Handels-Blog ExcitingCommerce.

Jochen Krisch: „Wer die Vorteile des Mediums nutzt, kann extrem abheben“

Jochen Krisch: „Wer die Vorteile des Mediums nutzt, kann extrem abheben“ (Abbildung: dmag)

 

Was passiert apropos Nutzer, Nutzung, Produkten und Services, wenn Mobile den E-Commerce küsst?

Jochen Krisch: Der klassische Online-Handel wird sich auf Smartphones weiterentwickeln. Aber noch wichtiger werden im Online-Handel Mobile-first- und -only-Konzepte. Treiber sind die Gerätespezifika: Wir werden auch im Handel zunehmend ortsbasierte Dienste sehen, außerdem verstärken Kommunikationselemente wie WhatsApp. Neue Möglichkeiten entstehen auch in der Koordination etwa von Kundendienst und Konsument, wie die mobilen Berater von Enjoy zeigen.

Welche Unternehmen sind auf diesen Wandel vorbereitet?

Krisch: Treiber sind sicherlich heute schon Lieferdienste wie Lieferheld oder Lieferando. Aber auch Zalando. Der Berliner Modehändler hat für mobile Anwendungen schon länger „Kill the Catalogue“ als Devise ausgegeben: Weg mit den Katalogstrukturen – hin zu mehr Inspiration und intuitiver Navigation. Auf Basis von Verhaltensdaten und Nutzersituationen lassen sich Inhalte sehr viel besser vorstrukturieren und filtern. Bis die neuartigen Services allerdings die bisherigen Ansätze halbwegs ersetzen, werden noch ein paar Jahre vergehen.

Und dann? Lieber Bot oder App? Welche mobilen Formate werden am erfolgreichsten sein?

Krisch: Momentan eher die App, zumindest solange man den Bots anmerkt, dass es sich um mehr oder weniger intelligente Automaten handelt. Wenn Bot, dann am ehesten im After-Sales-Service. Doch auch bei Apps ist noch sehr viel Luft nach oben. Von einer smarten App erwarte ich, dass sie mehr bietet als ein Web-Auftritt auf dem Desktop. Gute Apps sollten virale Komponenten enthalten und für Gesprächsstoff sorgen, damit sie sich auch ohne hohe Marketingaufwendungen verbreiten können. Gerade die Viralität wird ein zentraler Erfolgsfaktor für Mobile Apps sein. Sonst wird es entsprechend teuer, Apps zu verbreiten.

Welche Rolle haben Sie beim Neuerfinden von Mobile der Kundenbindung zugedacht?

Krisch: Statt einer Universal-App werden wir eher sehen, dass Händler spezialisierte Services und Apps für spezifische Kundengruppen entwickeln. In maßgeschneiderten Apps für Stammkunden und Wiederbesteller schlummern enorme Differenzierungs- und Umsatzpotenziale. Insbesondere bei Apps, die sich als mobile Begleiter für den Kunden eignen, sehe ich großes Potenzial.

Zum Beispiel …?

Krisch: Die Strick- und Häkelplattform ravelry.com hat gleich mehrere Apps mit unterschiedlichen Funktionen am Start. Mit deren Hilfe können sich hartgesottene Handarbeiter wahlweise vernetzen, inspirierende Projekte anschauen bzw. nachhäkeln oder auch „nur“ Verbrauchsmaterialien kaufen. Das ist smart und nachhaltig im Sinne der Kundenbindung. Aber auch Amazon Prime ist ein super Kundenbinder, etwa dank exklusiver Angebote für Stammkäufer und spezieller Services wie Prime Now.

Wer wird im Mobile-Commerce das Rennen machen?

Krisch: Wer mobil denkt und die Vorteile des Mediums zu nutzen weiß, kann extrem abheben. Mobile Anwendungen zu entwickeln, ist jedenfalls nicht ressourcenaufwändig. Wenn sich ein paar fähige Leute zusammenfinden, können hier auch kleine Teams extrem viel bewirken. Entsprechend werden auch im E-Commerce viele der wirklich spannenden Konzepte von Start-ups kommen – von jungen Teams, die mobil aufgewachsen sind und gar nichts anderes mehr kennen, als Codes für Smartphones zu entwickeln.

Und abgesehen vom Coding?

Krisch: Abgesehen davon wird viel vom Gespür für die Nutzer abhängen. Es braucht die passenden Anwendungen und Verkaufskonzepte für die jeweiligen Zielgruppen. Auch das ist keine Frage des Kapitals, sondern eine des Willens. Kurzum: Die mobile Zukunft wird uns sicherlich die eine oder andere spektakuläre Entwicklung bringen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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