Computertitel feilen am Image und zielen auf Markenartikler

20. Juni 2006 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: media spectrum

Leser von Computer-Special-Interest-Titeln sind sexy. Chip-Verlagsleiter Stefan Baumgartner spricht jedenfalls von einer „attraktiven Leserzielgruppe, die ihresgleichen sucht“. Allerdings wird diese Haltung nicht von jedem Mediaplaner und Werbekunden im begehrten Markenartikelsegment geteilt – abgesehen von Technikausstattern und Unterhaltungselektronikern. Der Computerzeitschriften-Leser als sonnenlichtscheuer, ungepflegter Bastlertyp und IT-Profi hält sich offenbar hartnäckig in den Planerköpfen. „Oft kursiert ein veraltetes Bild“, bemängelt Baumgartner. Oder woran mag es liegen, dass die Niveas, Procter & Gambles, Armanis und Douglas dieser Welt noch nicht Dauerwerbekunden in der leserseitig männerdominierten Computerpresse sind? Denn auch abseits von GQ, Matador, FHM, Maxim und Playboy könnten sich genusssüchtige, trendbewusste und kaufkräftige Leser tummeln.

Genau hier will Baumgartner ansetzen, um veraltete Leserklischees aufzuweichen. Ein Chip-Leser erfreue sich eines durchschnittlichen Netto-Haushaltseinkommens von 2.766 Euro monatlich. Damit verfüge der Vogel-Burda-Titel über attraktive Konsumenten, die zwar etwas weniger als Spiegel- und Focus-Leser verdienten. Aber dennoch mehr als der stern-Durchschnittskonsument. Chip-Leser zählten statistisch 37,7 Jahre – rund zehn Lenze weniger als Konsumenten dieser drei Nachrichtenmagazine. Hinzu kommt: „Computer sind ein Thema, das Männer bewegt“, so Baumgartner. Mit 90 Prozent männlichen Chip-Lesern sei der Zeitschriftentitel ein mehr als geeigneter Werbeträger, um die Anvisierten zu erreichen. Die Leseranalyse bescheinige zudem eine hohe Reichweite bei Entscheidern.

Daher will der Chip-Mann „raus aus dem Dornröschenschlaf im Bereich Markenartikler als Werbepartner“. Von der Zusammenarbeit mit den Kollegen vom Burda Advertising Center verspricht er sich, in Nicht-Kernmärkte hineinzuwachsen. Etwa Touristik, Finanzdienstleistungen, Auto und Motor, Genussmittel und Mode. Diese Strategie scheint aufzugehen: 2005 betreute Chip Werbekunden wie Wilkinson, Audi und König-Pilsener, in diesem Jahr haben u.a. British American Tobacco, Cortal Consors, Renault und die Motorradsparte von Honda gebucht.

„Verlage müssen Mediaplaner anders abholen und die Lesergruppe, die sich vom Heavy-User hin zum attraktiven Gutverdiener gewandelt hat, emotional erlebbar machen“, skizziert Bernhard Willer, Chef der Medienberatung Willkom in Hamburg. Er sieht die Herausforderung an die Computerpresse im Gattungsmarketing. Doch Vorsicht: Wer hier das Thema Lifestyle für Männer aufgreift, um nicht-klassische Werbepartner anzulocken, „sollte jedoch nichts am redaktionellen Konzept ändern“, warnt Manuela Köckeritz, Geschäftsleiterin bei der Zweiten Mediaagentur von Mediaplus in München. Sonst stelle man seine Grundwerte in Frage und riskiere es Stammleser zu verlieren.

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