Online-Marketer-Schulbank-Tagebuch, Teil #4: „Schnell ist das neue Langsam“

8. März 2014 Kommentar Link zu diesem Artikel

„Viele Unternehmen denken, Social Media sei eine Art Liegestuhl-Littfaßsäule, auf die jedes Unternehmen wahllos sein logobesticktes Badehandtuch werfen darf“, sagt mein Dozent Boris Lakowski auf dem DDA Campus Advanced in Frankfurt – in einem sympathischen Anflug von Ironie. Laut dem Strategieberater für digitale Markenführung beginnt die Werbe-Swimmingpool-Analogie, Verbraucher zu nerven: Den hundertsten Burger-Konfigurator braucht kein Mensch. Die rappenden Banker-Azubis in ihren Polyester-Anzügen, tun einem fast ein bisschen leid. Und der Süßkram-Hersteller gleitet aufs Social-Media-Boulevard ab, obwohl der Brand auf dem klassischen Spielfeld mit nachhaltigen TV-Kampagnen alles richtig zu machen scheint. „Die Verantwortlichen, die TV und Social machen, sind sich noch nie begegnet “, erklärt sich das Lakowski die Süßkram-Diskrepanz im Rahmen seiner Vorlesung „Potenziale und Grenzen von Social Media“.

Auf der Suche nach Orientierung: Social Media kann in der Customer Journey überall eine Rolle spielen, aber noch kämpfen Unternehmen mit Zielen, Chancen und Grenzen der Infrastruktur

 

Erlösungssehnsucht offen

Und was passiert jetzt da draußen? Markteintrittsbarrieren in Social Media sinken. Gleichzeitig entstehet nicht nur Relevantes, Verblüffendes, Menschelndes, Cleveres oder Hilfreiches. Auch das plumpe Nachmachen wird an Umfang zunehmen. Lakowski nennt’s den „War of Ideas“: „Mittelständler können nicht wie bei der Red-Bull-Stratos-Aktion aus dem All springen. Indes drohen Marken zum Fähnlein im Winde zu werden“, kritisiert er die drohende mediale Kakophonie. Und das, obwohl Social-Media überall in der Customer Journey eine Rolle spielen kann. Vom Service über Marktforschung bis hin zu vertrauensbildenden Maßnahmen, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Luft nach oben

Ob gleich auch noch der Hoffnungsträger Content-Marketing ins Gartnersche Tal der Tränen abzurutschen droht, ist ungewiss. Es könnte aber passieren, wenn Unternehmen weder ihre Social-Media-Ziele klar definieren, noch die gepriesenen Monitornig-Tools im Sinne des Erfinders einsetzen. Auch eine Verheiratung der klassischen Mafo mit dem Monitoring hat noch nicht stattgefunden. „Und die Erlösungssehnsucht, Content möge ein Problem beseitigen, das Social Media nicht in den Griff gekriegt hat, wurde noch nicht befriedigt. Folgt man Ladowski, besteht im Spannungsfeld Social Media und Content- bzw. Kontext-Marketing noch Verbesserungspotenzial:

  • Beim Einlösen von Service-Versprechen
  • In Nischen, die Marken in Social Media bedienen können – vorausgesetzt die Unternehmen haben die zugehörigen Subkulturen ausgiebig erforscht
  • Bei der Geschwindigkeit („Schnell ist das neue Langsam“)
  • Bei der disruptiven, digitalen Pressearbeit abseits der klassischen Pressemitteilung
  • Beim Gutes-Tun und Andere-darüber-reden-Lassen
  • Tool-Gläubigkeit allein bringt noch keinen Erfolg
  • Last, but not least: Social-Media muss sich quer durch alle Abteilungen ziehen – von Human Ressources bis hin ins Marketing

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.