Online-Marketing: Selfie mit Rembrandt

15. September 2015 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: Internet World Business

200 Jahre jung, das Gegenteil eines typischen Profitunternehmens, quietschlebendig und durchdigitalisiert bis ins Mark(eting): das Frankfurter Städel Museum

Räumlichen Kapazitäten sind endlich. Nur ein Prozent der 110.000 Arbeiten aus 700 Jahren Kunstgeschichte im Städel Museum – kurz: Städel – hängen in den Kabinetten; die übrigen 99 Prozent lagern aus Platzgründen im Depot. Darum launchte das Städel am 15. März 2015, pünktlich zu seinem 200. Geburtstag, die Beta-Version der Digitalen Sammlung.

Interessenten können virtuell im Kunstvollsortiment schlendern, alle Werke bewundern, Erklär-Filme, Audio-Files und mehrsprachige Texte nutzen und sich die Beziehungen zwischen den Arbeiten aufzeigen lassen.

„Wir wollten nicht warten, bis kommerzielle Anbieter diesen Bereich besetzen, und haben ein alternatives, skalierbares Kommunikationsangebot sowie digitale Vermittlungsformate im Sinne unseres Bildungsauftrages formuliert“, erläutert Axel Braun. Er verantwortet beim Städel die Online-Kommunikation. Das Ziel: die Sammlung auch außerhalb des realen Museums zugänglich zu machen. „Mit der digitalen Erweiterung sollte das Städel zusätzlich zum Stammpublikum völlig neue Zielgruppen ansprechen, die wir über unsere klassischen Kommunikationsmittel nicht erreichen würden“, erläutert Inka Drögemüller, Head of International Relations bei den Frankfurtern.

Bereits 2007 startete das umtriebige Museum eine Facebook-Präsenz, das eigene Blog sowie Twitter- und 2008 Youtube-Aktivitäten folgten. Längst gehören auch Google AdWords und Facebook-Werbung zum Marketing-Portfolio. Passend zur Präsenzsonderausstellung wurde 2015 ein „Digitorial“ über „Monet und die Geburt des Impressionismus“ gelauncht. Und der Vorbereitungskurs auf den Maler Claude Monet geht weit über bisherige Audio Guides und Microsites hinaus: „Während immer mehr Museumsportale geballte und des Öfteren überbordende Informationsberge aufschichten, besticht das Digitorial durch die Reduktion auf eine Epoche und seine Maler, von Monet bis Renoir“, urteilte die Jury des Grimme Online Awards 2015 und verlieh für das Digitorial im Juni eine ihrer begehrten Trophäen.

Auch Kunst-Fans goutierten den Online-Kurs und griffen in kürzester Zeit mehr als 200.000-mal darauf zu – mit einer stattlichen Durchschnittsverweildauer von knapp fünf Minuten. Flankierend veranstaltete das Museum Social-Media-Aktionen, die bis zu 80.000 User erreichten. Aufmerksamkeitsstarke Anstöße gaben „Instagram-Walks“, u.a. mit einer Monet-kompatiblen Inszenierung der Food-Instagramerin Joann Pai. Darüber hinaus konnten User ihren #MonetMoment posten – ein Zeichen, dass sich die Städel-Community „in kreativer Weise mit dem Impressionismus beschäftigte“, so Braun.

2015 wird, was die Besucherzahl betrifft, on- wie offline das beste Jahr in der Geschichte des Städel. Monet trug als erfolgreichste Ausstellung des Museums wesentlich dazu bei. Applaus für das Digitorial gab es auch aus internationalen Fachkreisen. Social Media sind für das Besuchermarketing zum wichtigen Aktivierungskanal avanciert.

Kunst-Fans können sich außerdem individuell konfigurierbare Poster der Städel-Werke per Print-on-Demand-Commerce schicken lassen – seit März kooperiert das Städel hierzu mit dem Drogeriemarkt dm. Vor allem aber teilen die Online-affinen Präsenzbesucher gern im flächendeckend mit WLAN ausgestatteten Museum ihre Sternstunden-Selfies – natürlich vor der Kulisse alter Meister.

Erfolgskennzahlen

  • Physische Besuche: Gesamtbesucher 460.000 (1. Halbjahr 2015, 1.1. bis 15.6.); Gesamtjahr 2014: 423.704 Besucher; Monet-Ausstellung (11.3. bis 28. 6.2015): mehr als 400.000 Besucher
  • Besuche auf Staedelmuseum.de: 971.301 Sitzungen und 2.389.045 Seitenaufrufe vom 1.1. bis 1.6.2015; Referenzzeitraum 2014: 392.651 Sitzungen und 1.181.706 Seitenaufrufe
  • Monet-Digitorial des Städel Museums: 200.640 Seitenaufrufe (Zeitraum: 4.2. bis 11.6.2015), Durchschnittliche Sitzungsdauer: 4:57 Minuten, Gewinner der Grimme Online Awards 2015
  • Social Media: 33.814 Facebook-Freunde (Stand 18.6.2015); Zahl der Facebook-Fans hat sich in den letzten 12 Monaten fast verdoppelt; Reichweiten der erfolgreichsten Posts: mehr als 80.000 Nutzer; Der Städel-Youtube-Kanal (www.youtube.com/user/staedelmuseum) wurde insgesamt 564.849-mal aufgerufen (stand 18.6.2015); Rund 300 Posts von Usern mit dem Aktions-Hashtag #MonetMoment

 

 

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