Otto Versand: Frischzellenkur gelungen

28. Oktober 2013 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: Internet World Business

Die digital ausgerichtete Verjüngungskur scheint geglückt: Die Bilanz des abgeschlossenen Geschäftshalbjahrs bei Otto Versand (März bis August 2013) „übertrifft die Erwartungen“, berichtet Alexander Birken, Konzernvorstand Multichannel-Versandhandel. Vor allem die Markenkampagne „Gefunden auf Otto.de“, für die der Konzern Media-Spendings im zweistelligen Millionenbereich hinblättert, wirke sich trotz des schwierigen Umfelds im Einzelhandel positiv auf die Web-Besucherzahlen aus – mit bis zu 25 Prozent mehr Otto.de-Flaneuren im Kampagnenzeitraum. Die Besucherzahlen bei Damenmode stiegen sogar um 200 Prozent.

Weibliche Zielgruppe im Visier

Entsprechend rechnet Otto im laufenden Geschäftsjahr „mit einem hohen einstelligen Umsatzwachstum und einer erheblichen Rentabilität“, schwärmt Birken. Zum Vergleich: Während Otto nach Worten des Managers ein „gesundes Wachstumsziel im mittleren einstelligen Prozentbereich“ im Geschäftsjahr 2013 schon jetzt überschreitet, erreichte der Konzern 2012 gerade einmal die Plus-zwei-Prozent-Marke. „Jetzt wollen wir vermehrt ins Relevant Set der weiblichen Zielgruppe, die Einkaufsentscheidungen für die ganze Familie trifft“, so Birken. Bis 2015 will Otto Versand seinen Gesamtumsatz auf 2,5 Milliarden Euro steigern.

Indes gibt der Händler auch viel Geld aus, um sich zukunftsfähig aufzustellen. Einerseits investieren die Hamburger in die leistungsfähigere Otto-eigene Shop-Software-Entwicklung Lhotse; die Plattform hat Otto bis dato einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet. Zudem soll ein ähnlicher Betrag für die Fortentwicklung fließen. Aktuell laufen schon jetzt knapp 25 Prozent des Otto-Traffics über die neue Plattform. Das Unternehmen will das Projekt bis Anfang 2014 abgeschlossen haben. Immerhin erwirtschaftet Otto mittlerweile mehr als 80 Prozent seines Umsatzes via E-Commerce. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass das Versandhaus auch für Big-Data, etwa das Predictive-Analytics-Haus Blue Yonder in Hamburg und Karlsruhe, Kapital in die Hand nimmt: „Um bessere Sortiments-, Lager-, Standort- und Kommunikations-Entscheidungen treffen zu können“, skizziert Otto-Vertriebs-Vorstand Marc Oppelt das weitere Vorgehen mit besonderem Augenmerk auf die Retouren-Senkung und die Optimierung von Überhängen. „Im Bestands-Management wird die eigentliche Schlacht geschlagen“, begründet Vorstandskollege Birken.

Andererseits hat Otto noch mehr vor, um im Möbelsegment bis 2015 eine dreistellige Millionenumsatzsteigerung zu erwirtschaften. In der Online-Roll-out-Kategorie werde ein großer Teil des merkantilen Wettbewerbs stattfinden. „Wir haben eine komfortable Ausgangssituation, denn jedes dritte Online-Möbel in Deutschland stammt schon jetzt von Otto“, betont Birken. Ähnlich hoch liege der Online-Markt-Anteil von Ottos Sortimentsbereich weiße Ware.

Dieser Artikel ist in Internet World Business erschienen.

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