Partnerschaft mit der Künstlichen Intelligenz: Making humans super?

4. Oktober 2016 Kommentar Link zu diesem Artikel

Wie sich Arbeit und Talent mit Hilfe von Superintelligenzen verändern dürfte.

Bots, Künstliche Intelligenzen, neuronale Konstrukte und Co.: Werden Sie zu unseren Wertschöpfungs-Partnern? Substituten? Und wie müssen wir sie ethisch behandeln? (Bild: Pixabay)

Bots, Künstliche Intelligenzen, neuronale Konstrukte und Co.: Werden Sie zu unseren Wertschöpfungs-Partnern? Substituten? Und wie müssen wir sie ethisch behandeln? (Bild: Pixabay)

Eine der fundamentalsten Änderungen in der Arbeitswelt wird von der künftigen Zusammenarbeit von Künstlichen Intelligenzen und den Menschen herrühren.

„The real power of artificial intelligence is to augment what humans are great at and make them better at what they do – making humans super“,

sagte kürzlich der Accenture-Cheftechnologe Paul Daugherty. Jahrzehntelang hätten Menschen beim Aufstieg der Roboter noch gut abgeschnitten, resümiert indes das White Paper „Digital Transformation of Industries“ anlässlich des diesjährigen World Economic Forum. Im Zeitalter von exponentiell wachsenden Rechenkapazitäten würden die Karten zwischen Mensch und Maschine aber neu gemischt.

Immerhin spielen die KI (Künstliche Intelligenz) bzw. AI (Synonym: Artificial Intelligence) längst nicht mehr nur Schach – durchdenken also nicht mehr nur mit einer überschaubaren, bisher machbaren Rechenleistung, alle möglichen Züge. Auf weitere Felder angewandt heißt das: „Eine Dumme Suche von überschaubaren Varianten kommt nicht gegen einen intelligenten Menschen an“, weiß Dr. Paul von Bünau, Managing Director und Superalgorithmen-Experte bei idalab, Berlin. Die künftigen AI schaffen es spielend, die unendlich vielen Varianten eines Go-Spiels zu durchdenken, so von Bünau. Letztlich handele es sich hier indes nach wie vor um eine Suche.

Der Zusammenhang von (Big) Data und Superalgorithmen

Übertragen auf Bots könnten künstliche kognitiver Technologien neben einfachen auch zunehmend komplexe Arbeiten auf ein höheres Effizienzniveau heben. Das Funktionsprinzip veranschaulicht Google Translate: Der Übersetzungsalgorithmus besitzt kein eigenes Wörterbuch, sondern vergleicht Sätze in verschiedenen Sprachen aus riesigen Datenbanken und errechnet daraus die wahrscheinlichste Übersetzung. Mit steigenden Datenmengen verbessert sich der Dienst kontinuierlich.

Unterdessen versteht Amelia emotionsgeladene E-Mails und Anrufe. Da die Künstliche Intellligenz bzw. der Bot für Kundenanfragen aus der Schmiede von IP Soft mit denselben Anweisungen und Gesprächsleitfäden wie ihre Kollegen aus Fleisch und Blut umgeht, kann Amelia realistische Szenarien für die Kundenkommunikation entwickeln. Wenn sie keine Antwort findet, eskaliert Amelia die Anfrage an einen menschlichen Kollegen und lernt von dessen Reaktionen auf die Kundenanfrage – für künftige Interaktionen.

AI: Die neuen Mentoren

Artificial Intelligence verhilft der Arbeitswelt dazu, bessere Entscheidungen zu treffen, betonte Nell Watson auf ihrem Vortrag „Machines as Mentors and Matchmakers“ auf der just gelaufenen #next16 Conference in Hamburg. Laut Watson, Associate Faculty AI and Robotics an der kalifornischen Singularity University, unterstützten intelligente Maschinen Menschen dabei, effizientere Routinen und Arbeitsgewohnheiten zu entwickeln. Zwar verbreitete Watson viel Optimismus („Bots sehen uns zu, wir wir Menschen uns wandeln und wachsen.“). Die Wissenschaftlerin zeigte aber auch die ethischen Grenzen beim Einsatz Künstlicher Intelligenzen auf.

Sind wir zu maschinenähnlich?

Diese Grenzen haben nicht nur mit der Rolle des Menschen zu tun. Es geht auch darum, dass sich Leben und Arbeiten enorm gewandelt haben und weiter verändern werden. Während Arbeit fragmentierter und chaotischer wird und beispielsweise kollaborative Plattformen wie Slack und Co. ihren Siegeszug antreten, stellte sich Claire Burge, CEO von This is Productivity, die Frage, wie eine sinnvolle Mensch-Maschine-Partnerschaft funktioniere. Der menschliche Part wird wohl auf eine Tech-komplementäre Komponente hinauslaufen, skizzierte Burge auf ihrem Vortrag „The Future of Work is Chaos“ auf der #next16:

„Unsere Arbeitswelt ist mittlerweile komplett in Technologien eigebettet. Wir Menschen haben viele Qualitäten und ursprüngliche Tugenden vergessen, weil wir zu ,Machine-like‘ geworden sind.“

Tugenden im Tech-Zeitalter

Entsprechend müssten wir Arbeit sowie unseren Begriff von Chaos neu denken – dies sei einer zunehmenden Komplexität der Arbeit geschuldet. Zukunftsqualitäten sind nach Burges Worten Interaktionsfähigkeit und Kreativität, gepaart mit kritischem Denken. Aber auch aktives Zuhören, Empathie, die Fähigkeit, Fragen zu stellen, Risiken zu unternehmen und ethisch zu handeln, gehörten zu wichtigen menschlichen Tugenden des Tech-Zeitalters. „Menschliches muss wieder prominenter werden“, forderte Burge.

Reskill yourself

Das gelänge jedoch nur, wenn die Arbeitswelt deren immanentes Chaos antizipierte, neue Arten erfände, Reportings durchzuführen, neue Ausbildungs- und Trainingsumgebungen erschaffe und sich ein neues Mindset zurechtlegte: „You need to reskill yourself“, forderte Burge. Die Verfasser des Digital-Transformation-Paper zum Weltwirtschaftsforum kommen zu einem ähnlichen Ergebnis. Sie rechnen in der Digitalwirtschaft bis 2022 erst einmal mit einem Jobwachstum um 22 Prozent. „As automation plays an increasing role, ‘softer‘ interpersonal skills will grow in importance“, skizzieren die Autoren.

Veränderungen am Arbeitsmarkt

Deckt sich das mit der derzeit kursierenden Literatur? Ja und nein, betont Martin Ford („Aufstieg der Roboter“). Da selbstständig agierende Maschinen günstige Arbeitskräfte darstellten und die fortschreitende Automatisierung zu monopolistischen Marktstrukturen tendiere, seien perspektivisch nicht nur Jobs u.a. in Qualitätsmanagement oder Buchhaltung durch Bots und Co. bedroht. Diese können durchaus hochqualifizierte Tätigkeiten übernehmen. Mittelfristig zählten auch Kreativjobs sowie längerfristig die Arbeit von Medizinern und Dozenten im Bereich der höheren Bildung dazu. Die Bedrohung rühre von der Macht des Maschinenlernens her, das sich mit steigenden anlysieren Datenmengen ständig verbessere.

Maschinen-Ethik: HAL in lieb?

Auch der schwedische Philosoph Nick Bostrom („Superintelligenz“) spricht von einer künftigen Intelligenz, die Menschen überlegen sein werde. Eine KI (die Gedanken abstrakt in Einsen und Nullen zerlegt) oder ein neuronales Konstrukt (ein Nachbau der Hardware unseres Gehirns nebst dessen elektrochemischen Prozessen) besitze künftig sogar einen gesunden Menschenverstand und schaffe es, zu lernen und zu handeln – ganz ohne unser Zutun. Wir sollten den Superintelligenzen daher menschliche Werte und Grundsätze einprgrammieren, fordert Autor Bostrom. Etwa: Vermeide menschliches Leid. Oder: Verschwende nichts. Die Gefahr – man erinnere sich an den revoluzzenden HAL 9000 – bestünde darin, dass die Superintelligenz unsere bisherigen Regeln crashen oder sogar gegen uns revoltieren könnte.

Daher brauche es Maschinen-Ethik, die unter die Lupe nimmt: Ist es in Ordnung, dass wir die Superintelligenz für uns arbeiten lassen? Auf welchen Gebieten nicht? Geben wir ihr Zugang zu unseren Gedanken? Laden wir unsere Gedankeninhalte in die Superinelligenz? Wie behandeln wir sie moralisch? Und wie verhindern wir Sicherheitsrisiken? Entwickeln wir Robotics kollaborativ oder im Geheimen?

Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine

Die Antworten auf diese Fragen stehen noch in den Sternen. Aber: „Ohne Transparenz und ohne selbst festgesteckte Privatsphäre ist ein freiheitliches Leben und Arbeiten – eine Art Partnerschaft zwischen Mensch und Maschine – nicht möglich“, resümierte Watson auf der #next16.

 

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