„TJ-Industrie4.0“ und „Befootec“: Strategische Bauanleitung für B2B-Blogs

18. Mai 2017 Kommentar Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: Tonno Digitale

Die studentischen B2B-Wissens-Plattformen „Technikjournalisten bloggen“ und „Beverage, Food, Technology“ lesen sich wie die Blaupausen für nutzwertige Corporate Blogs im B2B-Geschäft. Ihre Macher appellieren – back to the roots – an journalistische Tugenden und Wissensvermittlung.

Emotionalisierung vom Smoothie bis zur Technologiekette

Knapp dreißig Online-Redakteure kümmern sich bei Technikjournalisten bloggen und Befootec („Beverage, Food, Technology“) um knallharte B2B-Themen. Mit hohem journalistischem Anspruch und originärem inhaltlichen Tiefgang („Wider Copy and Paste“) übernehmen die Studis an der TH Nürnberg – zusammen mit ihrem Mentor Prof. Volker Markus Banholzer – eine Vorbildfunktion: für Corporates und deren B2B-Blog-Projekte.

Wandel in der B2B-Kommunikation?

B2B-Blogs sind vor dem Hintergrund der hiesigen Fachmedienlandschaft interessant: Die tradierten monatlich distribuierten (Print-) Titel tun sich im Vergleich zu Blog-Angeboten noch schwer mit Agilität und Schnelligkeit.

Für Corporates schreit dieser Umstand geradezu nach den schnellen, präzise aussteuerbaren Angeboten des Web. „Immerhin werden auch B2B-Entscheider, die sich über Technologie informieren, sukzessive empfänglicher für digitale, soziale, mobile und maßgeschneiderte Angebote“, erläutert Banholzer, der an der TH Nürnberg den Studiengang Technik-Journalismus und -PR verantwortet.

Das Fachpublikum benötigt nicht nur reine Information, sondern vor allem Wissen, „das es mit Hilfe von Journalisten und Bloggern in einen Zusammenhang einordnen kann“, betont Banholzer.

Erst Blogging von relevantem Content merze auch die Gefahr redundanter Inhalte in Google aus („External Duplicate Content“). „Wertschöpfendes Wissen versetzt Entscheider beispielsweise in die Lage, Lösungen vergleichen zu können“, bekräftigt Banholzer.

Eins-zu-eins-Vergleich mit Print-Auflagen und B2C-Zahlen greift zu kurz

„B2B-Blogs sind als journalistisches Genre noch nicht etabliert. Und das, obwohl nicht nur bei Texten, sondern auch bei Video-Journalismus auch für Unternehmen ein Riesenpotenzial schlummert“, erklärt Banholzer.

Nicht jeder Marketing-Entscheider nehme B2B-Influencer aktuell Ernst. „Dabei steigt deren Bedeutung mit der Erosion der klassischen Medienlandschaft rapide.“

Relevanz toppt Reichweite

Aber Achtung: Die mediale Präsenz von Blogs dürfen Unternehmen weder an der verbreiteten Auflage eines Print-Magazins noch an den Views von B2C-Angeboten messen. Immerhin genügt im B2B-Kontext eine Reichweite von nur wenigen Adressaten, wenn es sich um die ausschlaggebenden Entscheider handelt.

Originäre Inhalte über Live-Berichterstattung

Entsprechend fokussiert sich das erste, 2012 gestartete Blog „TJ“ unter Banholzers Ägide auf den Industrie-4.0-Diskurs.

Schnell integrierten Banholzers Redakteure Live-Berichterstattungen von Fachveranstaltungen, unter anderem mit einer Bilanz von der jüngst gelaufenen Hannover Messe.

Zur BrauBeviale 2014 in Nürnberg, angestoßen vom Bruchsaler Antriebstechniker SEW Eurodrive, entstand dann auch schnell Blog Nummer zwei: Befootec – eine Art „Türöffner in die B2B-Bereiche Lebensmittel und Getränke“, regelmäßig bespielt und nahezu eigenständig von den Studierenden betrieben.

Dessen Alleinstellung ist kurz beschrieben: „Zwar existiert eine Vielzahl von Technik-Blogs. Erst die Kombination von Food, Getränken und Technik macht Befootec zu einer spannenden und vielseitigen Plattform“, erklärt Chefredakteurin Denise Heller.

Erweiterung des inhaltlichen Fokus

Um aktuellen Trends in der Maschinenbautechnologie nachzuspüren, erweiterten die Macher beider Blogs einerseits die thematische Bandbreite. Unter anderem kamen Antriebstechnik, Schutzklassen, Staubresistenz und vieles mehr als Stichworte hinzu.

Social Media: Der Aufwand rechtfertigt die Mittel

Technisch arbeiten die Teams, das ist den Rhythmen des Studienalltags und dem baulichen Rahmen geschuldet, in virtuellen Gruppen zusammen. Zur Projektorganisation nutzen sie Orga- und Kommunikations-Tools wie Trello oder WhatsApp – und als Content-Management-System WordPress.

Im Social-Media-Bereich bespielen beide Teams mit unterschiedlichen Ausprägungen Twitter und Facebook sowie einen YouTube-Channel. Für „TJ“ ist auch die Videoplattform Vimeo im Gepäck. „Wir bemerken einen stetig zunehmenden Leserzuwachs. Auch in den sozialen Medien erzielen wir eine höhere Reichweite und hoffen, damit in Zukunft noch mehr Menschen für unsere Themen zu begeistern“, erklärt Befootec-Chefredakteur Matthias Müller.

Instagram erst einmal verworfen

Instagram haben die Blogger indes erst einmal verworfen und sich für eine überschaubare Zahl an Social-Media-Infrastrukturen entschieden. „Ansonsten sind wir ressourcentechnisch nicht in der Lage, unsere Kommunikationsversprechen alle einzulösen“, begründet Banholzer.

Nicht immer rechtfertige eine eigene Fanpage oder Pinnwand in den jeweiligen Infrastrukturen den Initialaufwand. Beispielsweise teilt Banholzer Blog-Themen für Xing und LinkedIn derzeit ausschließlich über seine persönlichen Accounts.

Für mehr Reichweite auf Facebook und Co. sorgen unter anderem thematische Lifestyle-Aufhänger, nach dem Motto: vom Smoothy elegant zur Technologiekette. Vielleicht ist diese Emotionalisierung neben Banholzers Appell, auf „mehrwertiges“ Wissen, Meinungen und Einordnung in den Gesamtzusammenhang zu setzen, des Pudels Kern, auf den sich ambitionierte B2B-Blogger konzentrieren sollten.

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.