Paketgrößenoptimierung: Heute schon Luft verschickt?

19. August 2018 Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: ONEtoONE

Der Trend zu konsequenter Volumenreduktion von Paketen wird Internet Pure Player (IPP) stärker erfassen. Wie sich Händler dieser Anforderung nähern.

Paketgrößenoptimierung steht für Effizienz in der Logistik. Doch viele schnell wachsende Online-Händler haben ihr Fulfillment nicht entsprechend professionalisiert. Davon ist René Otto, Chef des Hamburger Fanartikel-Händlers Rock N Shop, der E-Commerce-Beratung Trust in Dialog und der Logistiktochter TIDS Fulfillment, überzeugt: „Die Branche hat nichts zu verschenken und wird bei der Paketgröße immer weiter optimieren müssen“, prophezeit Otto.

Wer sich dazu durchringt, muss nicht nur nach Artikel und Größe gewichten. „Ein Algorithmus errechnet, ob die bestellte und verfügbare Ware in Verpackung a, b oder c passt und legt die entsprechende Variante fest“, erläutert Otto. Indes gilt es als kontraproduktiv, mit einer zu großen Bandbreite an Verpackungsgrößen zu arbeiten: Logistiker brauchen eine Mindestmenge an Paketen in einer Größe. Bekommen sie die nicht, wirkt sich dies nachteilig auf Logistik-Konditionen und Lagerfläche für Verpackungsmaterialien aus. Um hier Kosten zu reduzieren, hat Rock N Shop 2013 auf Sechs-Liter-Kartons zum Stückpreis von 18 Cent umgestellt und 2017 Drei-Liter-Taschen à 7 Cent für Textilien eingeführt. „Dadurch haben wir unsere Kosten um mehrere Tausend Euro pro Jahr gesenkt. Und weil wir jetzt noch weniger Luft verschicken, konnten wir mit DHL bessere Preise verhandeln“, erklärt Otto.

Nach seinen Worten lassen sich bis 250.000 Pakete pro Jahr noch händisch auf Größe optimieren, „wenn Sie Ihre Packer entsprechend schulen“ – um nicht nur Volumen, sondern auch Packzeit pro Sendung zu reduzieren. Eine automatisierte Größenoptimierung lohne sich wegen Initialisierungsprozesskosten indes erst ab einem höheren Paketdurchsatz, denn: Eine Lageroptimierung setze bei 100.000 Euro Kosten und aufwärts an.

Für große Player lohnen sich Innovationen besonders: Gemeinsam mit der Bertelsmann-Tochter arvato SCM Solutions hat Modehändler C&A zum Beispiel eine Kartonage entwickelt, die im Kommissionierungsprozess auf die richtige Größe zugeschnitten wird. Dazu vermisst eine drucksensible Einheit die Kartonfüllhöhe. Oberhalb der Befüllung wird der Überstand abgeschnitten und der Deckel aufgesetzt. So braucht das Paket nur wenig Füllmaterial. Das Transportvolumen verringert sich laut arvato SCM um rund 250 Lkw-Fahrten pro Jahr.

Doch das lohnt sich nicht unbedingt für jeden IPP: „Ein Händler mit geringer Produktspanne, der eventuell auch standardisierte Verpackungen hat, nutzt das Verfahren vielleicht weniger effizient. In dem konkreten Fall C&A versenden wir am Tag bis zu 20.000 Pakete, deren Inhalt und Größe stark variieren können“, erklärt Michael Sorge, Standortleiter des arvato-Distributionszentrums in Hannover. Für C&A scheint der Aufwand gerechtfertigt, denn die Düsseldorfer planen, von Hannover aus Kunden in 20 europäischen Ländern zu beliefern.

Ästhetik und Effizienz

Der Baby- und Kinderausstatter tausendkind nutzt für sein heterogenes Sortiment abseits des Möbel-Sperrguts hingegen pragmatisch zwei Tüten- und vier Paketgrößen. Die Kartonagen lassen sich zum Teil über Rillen verschieden groß falten. „Was wie gepackt wird, hängt davon ab, wie sperrig, wie viele und welche Art an Teilen in die Sendung kommen. Bei schweren Bücher oder Waren, die leicht knicken, müssen wir mehr polstern“, erläutert Dr. Anike von Gagern, Gründerin und Geschäftsführerin von tausendkind.

Bei der Verpackungswahl spielen neben Kosten, Handling (Packzeit) und Nachhaltigkeit (geringes Gesamtvolumen, recycletes Material, abbaubare Füllstoffe o.ä.) auch Ästhetik und Sicherheit eine wichtige Rolle: „Platzsparende Luftpolsterverpackungen sind nicht nur ökologisch sinnfrei, sondern haben auch eine schlechte Anmutung“, skizziert Daniel Lang, CMO bei parfumdreams, einer Marke der Parfümerie Akzente in Pfedelbach, bei der Douglas als Mehrheitseigner eingestiegen ist. So muss Langs Team bei der Verpackungswahl mitunter darauf achten, dass ein Kompaktpuder bei den Logistik-Dienstleistern Fallhöhen bis 1,5 Meter überlebt und eben nicht zerbröselt.