Studie zu Wagniskapital: Auf dem Weg zu den Einhörnern

14. November 2019 Link zu diesem Artikel –  Erschienen in: Multiasset

Rege ist es geworden, das Ökosystem deutscher Start-ups. Dass Neugründungen „der Rezession trotzen und positiv in die Zukunft blicken“, zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls der „Deutsche Startup Monitor 2019“ des Bundesverbands Deutsche Startups (BVDS). Gleichzeitig sieht er im fehlenden Wagniskapital am Markt eine riesige Wachstumsbremse.

Dabei erwirtschaftet jedes zehnte Start-up Umsätze oberhalb der 2-Millionen-Euro-Marke: Während jeweils ein Fünftel der knapp 2.000 für die Studie untersuchten Start-ups Umsätze zwischen 150.000 und 500.000 Euro beziehungsweise 500.000 bis 2 Millionen Euro erzielen, bringen es 8,8 Prozent der Jungfirmen auf Umsätze zwischen 2 und 10 Millionen Euro. 2,1 Prozent geben sogar mehr als 10 Millionen Euro für das vergangene Geschäftsjahr an.

Auch im Hinblick auf die Zukunft sind deutsche Start-ups optimistisch: Der Monitor fördert zu Tage, dass 37,3 Prozent der Unternehmen im kommenden Geschäftsjahr mit Umsätzen zwischen 500.000 und 2 Millionen Euro planen. 21 Prozent rechnen sogar mit 2 bis 10 Millionen Euro, die übrigen 5,3 Prozent sogar mit mehr Umsätzen.

Fast 15 Prozent erhalten Wagniskapital ab 2 Millionen Euro aufwärts

Die aktuellen Finanzierungsrunden wie N26 mit Venture Capital (VC) in Höhe von 420 Millionen Euro, GetYourGuide (433 Millionen) und Flixmobility (500 Millionen) veranschaulichen, dass mittlerweile hohe Summen an externem Kapital in Start-ups fließen. 2019 erhielten bisher 55,3 Prozent der Firmen Wagniskapital. 2018 waren es lediglich 51,8 Prozent. Zwar geht es häufig um kleine Beträge. Aber rund ein Fünftel der Befragten hat in diesem Jahr Summen in Höhe von 500.000 bis 2 Millionen eingeworben. Ein weiteres Zehntel erhielt in Finanzierungsrunden zwischen 2 und 10 Millionen externes Kapital; 3,6 Prozent sogar mehr als das.

Bezüglich Finanzierungsquellen zeichnen sich noch Lücken am Kapitalmarkt ab. Während 80,3 (Mehrfachnennungen) beziehungsweise 29,3 Prozent der Gründungen auf Ersparnisse und die Familie zurückgreifen, nutzen 39,2 Prozent staatliche Fördermittel. 23,1 Prozent greifen auf externes Kapital von Business Angels zurück, 14,6 Prozent auf klassisches Wagniskapital.

Fehlendes VC ist gleich Wachstumsbremse

Unter dem Strich geht die Studie von fehlenden Geldmitteln am Markt – vor allem beim VC und Kapital von Business Angels – aus, was zur Wachstumsbremse für Start-ups zu werden droht. Hintergrund: Mit steigender Mitarbeiterzahl nehmen diese beiden Finanzierungsinstrumente einen immer wichtigeren Stellenwert ein – als Wachstumsbeschleuniger für Expansionspläne. Bislang streben rund 40 Prozent der Start-ups eine Finanzierung durch Wagniskapital an, aber lediglich 15 Prozent sind bisher in den Genuss dieses Finanzierungsinstruments gekommen.

Der Zugang zu Venture Capital ist hier zu Lande noch schwierig beziehungsweise am besten über Netzwerke und in Deutschland vor allem in Berlin (mit 29,1 VC-finanzierten Start-ups), aber auch in Hamburg (18,6 Prozent) und München (19,7) möglich. Ebenso sind die Regionen Rhein-Ruhr (9,7) und Stuttgart/Karlsruhe (6,2) im Kommen und benötigen für einen weiteren Wachstumsschub robuste Finanzierungsformen.

Im Investoren-Trend liegen private Finanzinvestoren im Early Stage. Ein Viertel der Start-ups, die Wagniskapital eingeworben haben, setzen auf öffentliche Kapitalgeber, etwa den High-Tech-Gründerfonds (25,9 Prozent). Bei 15,5 Prozent stehen strategische Investoren wie Konzerne hoch im Kurs.

Der Zugang zum Kapitalmarkt könnte einfacher sein

Indes hat ein Drittel der Gründerinnen und Gründer Schwierigkeiten, Zugang zum Kapitalmarkt zu erlangen. Laut Studie unterhalten 39 Prozent der Befragten Netzwerke zu Investoren – ein Punkt den  rund 40 Prozent der Gründer eher als Hürde bezeichnen. Investoren von ihrem Kapitalbedarf zu überzeugen halten die Befragten dagegen für einfacher.

Mittlerweile gelten Mitarbeiterbeteiligungen – vor allem bei Unternehmen, die auf starkes Wachstum setzen – als wichtiges Werkzeug, um sich im Wettbewerb um Talente erfolgreich zu positionieren. Während echte Anteile sich vor allem durch Gewinn-, Stimm- und Informationsrechte ausdrücken, werden virtuelle Beteiligungen in der Regel fällig, wenn der Unternehmensverkauf (Exit) erfolgreich über die Bühne gegangen ist. 53,3 Prozent der befragten Unternehmen geben an, eine der beiden Beteiligungsformen anzuwenden.